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Deutschland


Das Weinland Deutschland umfasst mit seiner Gesamtrebfläche von ca. 102000 Hektar die folgenden Weinanbaugebiete:

 

AHR

Mit rund 550 Hektar Rebfläche gehört das Anbaugebiet Ahr nicht wortwörtlich zu den Großen, beweist jedoch, dass es darauf nicht ankommt. Unverzichtbar sind die einzigartigen Weine für das gesamte deutsche Weinland.
Entlang des Flusses Ahr, welcher dem Gebiet seinen Namen gibt, werden mehr als 85 Prozent Rotwein-Rebsorten angebaut. Wichtigste Rebsorte ist mit fast 60 Prozent der Gesamtfläche der Spätburgunder. In den steilen Hanglagen stehen die Reben auf Schieferböden, in den unteren Lagen in Flussnähe überwiegen die Lössböden.
Kaum zu glauben aber wahr: Im mitunter nördlichsten Weinanbaugebiet Deutschlands herrschen mediterrane klimatische Verhältnisse! Am Tage steht die Luft in den steilen Weinbergen, sodass sich die Felsen, Terrassen und Mauern aufheizen, um diese Wärme in der Nacht an die Rebstöcke wieder abzugeben; die steilen Hänge sorgen für optimale Sonneneinstrahlung. Verwöhnung pur! Doch hier muss der Ahr-Winzer auch B sagen: Oft sind es zerklüftete Felsspalten in extremen Steilhängen, welche es zu erklimmen gilt um dann nur wenige nebeneinander stehende Rebstöcke anzutreffen. Hier ist Maschinenarbeit unmöglich.
Wer von der Ahr spricht, spricht vom „Rotweinparadies“, vom Slogan „Wohlsein für 365 Tage“, vielleicht auch vom 35 Kilometer langen Rotweinwanderweg, welcher die Weindörfer miteinander verbindet… aber auch von dem beschwingenden und betörenden Gefühl das erweckt wird, steht der rote Ahrwein im Glas um die Zunge zu benetzen: Dann erscheint die felsige Landschaft vulkanischen Ursprungs weniger schroff, sondern samtig weich.

 

BADEN

Das Weinbaugebiet Baden erstreckt sich mit seinen etwa 16.000 Hektar Rebfläche fast 500 Kilometer vom Neckar im Norden bis zur Schweizer Grenze im Süden. Der größte Teil der Weinbergsfläche liegt im Rheingraben und seinen Seitentälern, mit Ausnahme kleiner Inseln am Bodensee und im fränkischen Taubertal.
Im südlichsten Anbaugebiet Deutschlands gelten andere Weinregeln, denn in Baden wird das „B“ groß geschrieben! Als einziges deutsches Weinanbaugebiet gehört es zur weinrechtlichen EU-Weinbauzone B. Damit steht es mit den Anbaugebieten Champagne, Elsass, Loire, Savoyen und Jura auf klimatischer Augenhöhe. Diese Eingliederung hat direkte praktische Relevanz für die Erzeuger. So muss zum Beispiel im Vergleich zu den übrigen deutschen Berufsgenossen das Traubengut der badischen Winzer ein höheres natürliches Mindestmostgewicht aufweisen. Respekt also, dass sich die badischen Winzer freiwillig zu diesem Schritt entschieden. Und noch ein B ist in Baden ganz groß: Der Burgunder. Hier ist seine ganze Rebsortenfamilie vertreten. Der kräftige Grauburgunder mit etwa 1.418 Hektar ebenso wie der elegante Weißburgunder oder der filigrane Auxerrois. Die Hauptrotweinsorte ist der Spätburgunder mit über 5.200 Hektar Rebfläche. Badisch Rotgold heißt die roséfarbene Spezialität aus Spät- und Grauburgundertrauben.
Die relativ hohe Anzahl der mehrheitlich in Zu- und Nebenerwerb tätigen 23.000 Betriebe Badens beruht auf der historisch bedingten Realerbteilung. Drei Viertel der Anbaufläche werden von Genossenschaftsmitgliedern bewirtschaftet, rund fünfzehn Prozent der Anbaufläche von Weingütern, der Rest von Erzeugergemeinschaften. Und allesamt sind sie eines: Von der Sonne verwöhnt!

 

WÜRTTEMBERG

„Stuttgart ist die Landeshauptstadt von Baden-… A) Würtenberg B) Württenberg C) Würtemberg oder D) Württemberg?“ lautete eine 500-Euro-Frage bei der Quiz-Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch. Dass die damals zu zweit spielenden Kandidaten erst mal einen Joker aufwenden mussten, um dann die Frage mit gerunzelter Stirn zu beantworten, ist Beweis genug, dass es auf diesem Gebiet noch Aufklärungsbedarf gibt. Die Württemberger verstehen sich selbst als Rotweintrinker und so werden sie von der ganzen Welt auch gesehen – als „Trollingerschlotzer“, wie man in Württemberg so lautmalerisch sagt.
Wein wird hier vor allem im Neckartal und an den angrenzenden Hügeln erzeugt. Die Ausläufer des rund 11.300 Hektar großen Anbaugebiets reichen im Nordosten bis ins Taubertal und im Süden bis nach Tübingen und Reutlingen, mit einer kleinen Insel am Bodensee. Dem kühlen und kontinentalen Klima wirken einzig die Flüsse der Region mäßigend entgegen. Dementsprechend können auch die Schwaben den Riesling nicht leugnen, der mit dem Trollinger die Spitze des Rebsortenspiegels bestimmt.
Interessant auch: Der Lemberger, eine weitere wichtige Württemberger Rebsorte, wird in Österreich „Blaufränkisch“ genannt. Der Trollinger wiederum ist in seiner Heimatregion Südtirol wenig klangvoll aber präzise als „Vernatsch“ bekannt.
Lange Zeit schienen die zwar gefälligen und süffigen, selten aber wirklich interessanten Rotweine Württembergs Schicksal zu sein. Doch das ist längst vorbei. Intensive Rote von internationalem Niveau bestimmen das Charakterbild der Württemberger Weine. Und von so manchem Lemberger-Solo kann man einfach nur ins Schwärmen kommen.

 

PFALZ

Wie unterschiedlich, aber vor allem einzigartig und vielfältig Menschen sind, ist eine unbestrittene Tatsache. Beeindruckend ist jedoch immer wieder, wie stark eine Region ihre Menschen prägen kann, gerade die Weinregion! Als würde sie sie zu lebendigen Abbildern machen, denen es möglich ist, weit über die Grenzen hinaus zu werben und zu agieren. Entlarvt wird der Pfälzer dabei sofort, ob er will oder nicht.
Der Dialekt der Pfälzer ist unverwechselbar und steht in engem Zusammenhang mit ihrer Kultur und dem Wein. Kaum eine Region kann so viele Lieder und Gedichte von sich singen und keiner ihnen mehr Intention einverleiben wie es der Pfälzer tut. Jeder Pfälzer ist Symbol des heimischen Lebens, eine Figur für die Ewigkeit. Es ist also nicht die Landschaft allein, deren positiver Einfluss Menschen aus nah und fern anlockt. Vielmehr ist es das bloße Gefühl – ein Alleinstellungsmerkmal, welches weder kopiert noch imitiert werden kann. So ist auch der Wein als Pfälzer Kultgetränk abhängig von Emotionen. Das heißt, jeder Weingenuss eines jeden Tropfen wird automatisch mit den persönlichen Empfindungen in Zusammenhang gebracht. Wie der Wein schmeckt, kann er selbst deshalb oftmals nicht alleine entscheiden. An dieser Stelle kommen wieder die Pfälzer ins Spiel, deren Einsatz gefragt ist. Denn wenn sie auch oftmals „krageele“, als wären sie es: Sie sind nicht allein und ich bin froh eine von 1,42 Millionen Pfälzern zu sein!

 

NAHE

Ganz profan und unromantisch erscheint die Aufgabe, welcher sich jeder Winzer, jedes Weinanbaugebiet, das Weinland Deutschland, ja sogar die ganze Weinwelt letzten Endes stellt: Die erfolgreiche Vermarktung ihres Gutes! Jeder Einzelne leistet auf diese Weise seinen Beitrag zum Ganzen, egal ob groß oder klein.
Mit rund 4000 Hektar Rebfläche gehört die Nahe bei weitem nicht zu den Großen. Im Süden geht das Anbaugebiet fast nahtlos in die weiten Rebfelder Rheinhessens über, um im Norden am Mittelrhein seine Grenze zu finden. Die Tatsache, dass auch die Nahe sich mit fast einem Viertel ihrer Rebfläche dem Riesling verschrieben hat, ist für ein deutsches Anbaugebiet nichts Außergewöhnliches.
Seit dem Jahr 1993 sind die vorher zwei Bereiche der Nahe zu einem zusammen gefasst: Dem Nahetal. Deutschlandweit bietet die Nahe die größte Bodenvielfalt und den engräumigsten Wechsel der unterschiedlichsten Typen. Mehr als 180 Bodenvarianten seien es, so vermutet man im Rahmen des laufenden Projektes „Stein und Wein“. Die Reben gedeihen auf Schiefergestein, vulkanischen Porphyr- oder Löss- und Lehmböden und spiegeln sich in den Weinen wieder, als wären sie Sinnbild der Natur. „Juwel im Südwesten“ wird sie des Öfteren genannt. Kein Vergleich könnte es besser treffen: Der Schliff bringt die Veredelung und erhöht somit die Lichtreflexion und den Glanz des Minerals. Jeder Stein ist einzigartig und die Winzer der Nahe tragen ihren letzten Kick dazu bei, ob groß oder klein.

 

RHEINGAU

Etwa 3200 Hektar Rebfläche erstreckt sich rund 30 Kilometer weit am rechten Ufer des Mains und des Rheins, von Wicker und Hochheim im Osten bis nach Lorch im Westen. Auch die einzige Weinbergslage der Stadt Frankfurt am Main gehört weinrechtlich zum Rheingau.
Tiefgründiger, oft sandhaltiger Löss- und Kiesschotter oder gelegentliche Sandsteinformationen prägen die Bodenstruktur dieser Weinbauregion. Fakten über Fakten, welche versuchen, dieses einzigartige deutsche Rieslinggebiet zu beschreiben, den Kern der Sache jedoch nicht treffen können. Das Gefühl beim Blick über die Weinregion ist geprägt von Bildern, wie sie nur die Natur schaffen kann: Hügelige Weinlandschaft, soweit das Auge reicht, mündet in einen gemächlich dahin ziehenden Fluss, der als Wärmespeicher der unteren Weinberge fungiert.
Eingebettet im Rebenmeer liegt beispielsweise das Schloss Johannisberg. In diesen sagenhaften Gemäuern wurde der Geschichte nach ein Kind des Weinbaus geboren: Die Spätlese. Im 12. Jahrhundert gründeten Zisterzienser das in einem Wiesenthal, von Wäldern und Weinstöcken umgebene Kloster Eberbach – über Jahrhunderte das größte und bedeutendste Weingut Mitteleuropas.
In Sachen Rebensaft waren die Rheingauer so auf zack, wie wohl kein anderes Weinanbaugebiet in Deutschland. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der erste reinsortige Rieslingweinberg angelegt. In den 1990er Jahren gehörten Rheingauer Erzeuger zu den ersten, die das Konzept des Ersten Gewächses in die Tat umsetzten. Dass aus Winzern auf der ganzen Welt kluge Köpfe werden, dafür sorgt die Stadt Geisenheim mit ihrer in Deutschland bisher einzigen Lehr- und Forschungsanstalt für Weinbau und Kellertechnik. Der Rheingau hat ganz schön was vorgelegt und gilt in vieler Hinsicht noch als Vorbild, doch Zeit zum Schlafen hat niemand!

 

RHEINHESSEN

Das „Land der tausend Hügel“ wird es genannt. Reben, soweit das Auge reicht – das ist Rheinhessen. Mit etwa 26.000 Hektar Rebfläche ist es das größte Weinanbaugebiet Deutschlands. Dass Rheinhessen im Rheinbogen zwischen Bingen, Mainz, Worms und Alzey liegt, erklärt auch: Man kommt nicht drum herum!
Die Vielfältigkeit der Böden, welche von Löss, Sand und Mergel bis zu Kalkgestein, Ton, Braunerde und Quarzit reicht, ist auch ein Grund für das breite Sortenspektrum der Region. Doch Rheinhessen lebt und liebt den Weißwein. Rund zwei Drittel der Rebfläche ist mit Weißweinrebsorten bepflanzt. Dabei nehmen Müller-Thurgau, Riesling und Silvaner die Spitzenpositionen ein.
Durch die Marke „RS – Rheinhessen Silvaner“ wurde die traditionelle Rebsorte der Region völlig neu definiert: Ein trockener Klassiker mit unverwechselbarem Outfit. Passend dazu der Slogan „Die Weine der Winzer“. Da drängt sich die Frage auf: „Von wem sonst?“". Doch dieser so simpel wirkende Spruch beinhaltet eine tiefgreifende Intention. Der weit geläufige Begriff des Terroir lässt an der bedeutenden Komponente des Winzers keinen Zweifel. Die Faszination Wein spielt in Rheinhessen also einen ganz besonderen Trumpf aus. Nicht nur im Geschmacksprofil setzt die Region auf Frische und Frucht. Eine junge und einzigartige Winzergeneration mit innovativen Ideen bringt Schwung in die tausend Hügel Landschaft. Rheinhessen zeigt ein neues Gesicht, es zeigt dass sich was dreht!

 

FRANKEN

Das Weinanbaugebiet Franken erstreckt sich von Aschaffenburg am Untermain im Westen bis hin zum Steigerwald im Osten. Geleitet vom Flusslauf des Mains sind die etwa 6.000 Hektar Weinberge an den südwärts gerichteten Talhängen angebaut. Bereits im vierten Jahrhundert wurden Rebkulturen in Franken angelegt. Im Mittelalter erreichte die Rebfläche der Region eine Ausdehnung von fast 100.000 Hektar. Franken war damals das größte Anbaugebiet Deutschlands.
Heute dominieren die Weißweinrebsorten mit Müller-Thurgau und Silvaner das Sortiment der fränkischen Erzeugnisse. Wer aber denkt, auf Keuper, den Buntsandsteinverwitterungs-, Muschelkalk- oder Lehmböden dieser Landschaft könnten weniger gut Rotweine gedeihen, der irrt. Samtig weiche und elegante Spätburgunder findet man in den Terrassenlagen des Untermains, im Landkreis Miltenberg.
Das Marken- und Erkennungszeichen ist der Bocksbeutel. Die flachbauchige Kugelflasche steht für Frankenwein schlechthin! Dem Weingesetz nach darf diese Flaschenform außerdem nur noch im Badischen Taubertal sowie in den Gemeinden Neuweier, Steinbach, Umweg und Varnhalt in Verkehr gebracht werden.
Sehr bekannt und geschichtlich lang zurückverfolgen lassen sich die Spitäler im Zentrum der Region, der Barockstadt Würzburg. Das Bürgerspital und Juliusspital (zweitgrößtes Weingut in Deutschland) verfolgten im 16. Jahrhundert einen völlig neuen Zweck für Anbau und Ausbau von Wein. Mit dem Erlös der Weinerzeugnisse wurden Alten-, Pflege- und Krankenheim gebaut, Medikamente sowie Verpflegung gekauft. Denn damals wie heute wusste man: Wein ist die beste Medizin. So bekamen die Beherbergten in den Spitälern eine tägliche und gut bemessene Ration Wein zur Linderung ihrer Schmerzen und Krankheiten... Wer nimmt diese Tatsache nicht gerne als Grund und Anlass, zu einem guten Glas Wein zu greifen??!

 

SAALE-UNSTRUT

Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut besteht eine Zerreißprobe, verteilt es sich doch über drei Bundesländer Deutschlands. So gedeihen zugleich in Sachsen-Anhalt in den Tälern von Saale und Unstrut, als auch in Thüringen und Brandenburg die Reben der Region. Die Weinanbaufläche des Gebiets umfasst etwa 650 Hektar und hat sich somit seit der Deutschen Wiedervereinigung mehr als verdoppelt!
Trotz der Tatsache, dass Saale-Unstrut das nördlichste Anbaugebiet Deutschlands verkörpert, ist das Klima wärmer und trockener als im benachbarten Sachsen. Auch oder gerade deswegen wächst hier auf Lehm überlagertem Muschelkalk, Buntsandstein und Tonschiefer allen voran die Rebsorte Müller-Thurgau. Ebenso der Weißburgunder, Silvaner und Riesling gehören zu den Klassikern der Region. Nur ein Fünftel der angebauten Trauben sind Rotweinsorten wie etwa Portugieser, Dornfelder, Spätburgunder und Zweigelt.
Einen der vielleicht größten Erfolge erlebten die neuen Bundesländer zu Beginn des 21. Jahrhunderts, mit Weinen aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut. Es handelt sich um die Sektmarke Rotkäppchen, die bereits 1894 in der 1856 gegründeten Kellerei Kloss und Foerster in Freyburg/Unstrut aus der Taufe gehoben wurde. Schon zu DDR Zeiten war die Marke unheimlich populär und erreichte eine Produktionsmenge von bis zu fünfzehn Millionen Flaschen jährlich. 2002 konnte Rotkäppchen dann die renommierte Sektkellerei „Mumm“ in Hochheim am Main aufkaufen. Zusammen erzeugten beide im selben Jahr bereits stolze 92,4 Millionen Flaschen Sekt. In Deutschland hat Rotkäppchen somit die Marktführerschaft inne. Allgemein gesehen kann man jedoch sagen: Die Weinerzeugnisse Saale-Unstruts sind Raritäten! Also zugreifen wann immer es geht.

 

SACHSEN

Das mit 470 Hektar Rebfläche zu den allerkleinsten Anbaugebieten Deutschlands zählende Fleckchen Erde erwartet Nachwuchs! Etwa 30 Hektar Rebfläche sollen es sein, die in Sachsen neu gepflanzt werden. Doch wie so oft schon bemerkt zeigt auch Sachsen, dass Fläche nicht alles ist und sich wahre Größe ganz anders präsentiert.
Wer allerdings in diese schmucke und idyllische Region reist um eine Weinregion im typischen Sinne kennen zu lernen, wird entweder enttäuscht oder aber beeindruckt sein: Die an der Elbe entlang führende 55 Kilometer lange Weinstraße von Pirna nach Diesbar-Seußlitz bietet ungewohnt wenig Blick auf zusammenhängende Rebflächen oder gar ein erhofftes Rebenmeer. Vielmehr handelt es sich um eine Entdeckung, wenn man auf die bestockten Parzellen Sachsens stößt.
Diese Tatsache lässt die etwa 3000 Winzer und über 20 Weingüter der Region nicht minder stolz wirken. Im Gegenteil: In Sachsen spürt man förmlich, was Aufbau, ja buchstäblicher Aufbruch bedeutet! Mit modernster Technik und ständiger Entwicklung verbinden die Winzer gekonnt ihre vor Kultur triefende Region mit dem auf über 800 Jahre zurückblickenden Weinbau. Dem Betrachter der Stadt Dresden bleibt der Mund offen stehen, bei der geballten Macht geschichtlich tief verwurzelter Bauten und der Schönheit die sich gerade bei Nacht rund um die Elbe entfacht. Allerdings sollte man auch genau diese Begegnung nicht scheuen, möchte man eine Flasche der heiß begehrten Gewächse ergattern. Denn über 80 Prozent der Erzeugnisse werden in Sachsen selbst getrunken, wodurch wahre Liebhaber den Slogan „Eine Rarität – Weine aus Sachsen“ wortwörtlich zu nehmen wissen. Dass die amtierende Deutsche Weinkönigin Evelyn Schmidt eine Sächsin ist, lässt darauf hoffen, der keulenförmigen Sachsenflasche auch öfter außerhalb ihrer Heimat zu begegnen!

 

MITTELRHEIN

„Wo über steilen Rebhängen Schlösser und Burgen thronen“, so wird das malerische Weinanbaugebiet Mittelrhein beschrieben. Seine Weinberge erstrecken sich über mehr als hundert Kilometer von Bingen bis vor die Tore Bonns. Der Mittelrhein ist ruppig und deshalb vielleicht nicht gerade als freundliche Landschaft zu bezeichnen. Nein, hier bietet sich dem Betrachter eines der schönsten Bilder, die Deutschland zu bieten hat: Schroffe Felsrücken zeichnen das eng gegliederte Rheintal. Und dazwischen winden sich in den Steilhängen die terrassierten Weinberge der Region Mittelrhein.
Die Rebfläche ist etwa 470 Hektar groß und vorwiegend mit Riesling bepflanzt. Durch die Lage im Rheinischen Schiefergebirge besitzt das Anbaugebiet beste weinbauliche Bedingungen. Tief hat sich der Rhein über die Jahrtausende in die Mittelgebirgslandschaft eingegraben. Durch den Zustrom milder Luft vom Süden her kommend, weist das Rheintal ein optimales Klima auf. Die Wasseroberfläche des Rheins sorgt für einen Temperaturausgleich, wodurch die Winzer im Winter selten um verfrorene Reben bangen müssen. Am Bopparder Hamm liegt mit fünf Kilometern Länge die größte zusammenhängende Rebfläche des Mittelrheins. Der südliche Teil dieser einzigartigen Kulturlandschaft, das Obere Mittelrheintal, wurde im Jahr 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe geadelt. Im Herzen dieser einzigartigen Flusslandschaft liegt Koblenz, eine der größten Weinbau treibenden Städte überhaupt. Natürlich denkt man bei Mittelrhein auch sofort an Eine! Mit ihrem langen gewellten Haar hat sie schon so manchen Fischer oder sogar in diesem Fall Winzer verlockt und verführt. Na klar, die Rede ist von Christina Wagner. Die Mittelrheinische Weinkönigin machte ihren Job im Jahre 2006/2007 so gut, dass sie glatt noch eine Amtsperiode anhängte, um weiter die Mittelrheinischen Gewächse zu vertreten. Respekt!
 

 

MOSEL

Kurz und prägnant, knackig wie die Weine dieser Herkunft selbst, nennt sich das Anbaugebiet seit August 2007: Mosel!
Bis zu diesem Zeitpunkt kannte man eine der ältesten und bekanntesten Weinregionen Deutschlands noch unter dem Namen Mosel-Saar-Ruwer. Etwa 9.300 Hektar Rebfläche umgeben die Ufer dieser Flüsse, welche von Koblenz an der Mündung der Mosel in den Rhein im Nordosten bis nach Trier, beziehungsweise zur luxemburgischen Grenze reichen.
Das Klima ist geprägt von der nördlichen Lage des Gebiets einerseits und vielen Steilhängen andererseits, welche für optimale Sonneneinstrahlung in den Weinbergen sorgen. Extreme Hangneigungen, wie zum Beispiel der steilste Weinberg der Welt, der Bremmer Calmont, welcher an seiner abschüssigsten Stelle über 60 Grad Gefälle misst, weisen den Moselwinzer in die Schranken der Natur.
Unter erschwerten Bedingungen wird Rebstock für Rebstock, meist in Handarbeit, gehegt und gepflegt. Auf Muschelkalk und Keuper, Devon-Schiefer und Tonschiefer gedeihen die Pflanzen oftmals noch als Direktträger am Einzelpfahl. Und trotz erheblicher Investitionen in Flurbereinigung und Infrastruktur, beträgt der Arbeitsaufwand hier das Fünf- oder gar Zehnfache von dem in Flachlagen.
Mit 58 Prozent der Rebfläche nimmt Riesling den Löwenanteil an der Mosel ein, was sie damit zum größten zusammenhängenden Rieslinganbaugebiet der Welt macht. Rassige, zugleich leichte, von lebhaftem Säurespiel unterstützte Weine lassen den Weingenießer ins Paradies entschwinden. Ihr Moselwinzer, euer Mühen ist mehr als lohnenswert!
 

HESSISCHE BERGSTRAßE

Die Vielfalt der Weinregion Deutschlands ist geprägt von jedem einzelnen Anbaugebiet des Landes. Vielleicht liegt es auch gerade an dieser Vielfalt, dass sich die größten und bekanntesten Weinautoren auf der ganzen Welt schwer tun, sie in ihrer Vollkommenheit zu erfassen. So ist die Hessische Bergstraße oftmals eines der Opfer, ja eine unerwähnte Perle unserer Landschaft. Der Reiz ihrer essentiellen Aura kann diese Tatsache jedoch nicht schmälern, wird er doch dadurch nur verstärkt!
Mit einer Rebfläche von 450 Hektar gehört die Hessische Bergstraße unweigerlich zu den „Kleinen“. Seit 1971 ist es ein eigenständiges Anbaugebiet, zuvor gehörte es der Badischen Bergstraße an. Warum eigentlich Bergstraße? Die Weinregion befindet sich am Nord- und Westhang des Odenwaldes, zwischen Darmstadt im Norden und Weinheim im Süden. Ausschlaggebend für die Namensgebung war die Straßenführung am Fuße der Berge, da die Ebene, in der sich Rhein, Neckar und ihre Zuflüsse aus dem Odenwald in der Vorzeit immer wieder neue Wege gesucht hatten, ursprünglich für die Anlage einer Straße zu feucht war.
Genau diese Tatsache ist die Basis für einen aus klimatischer Sicht perfekten Weinanbau. Wenn es mancherorts noch fröstelt, setzt an der Hessischen Bergstraße schon der Frühling ein. Eine ausgedehnte, entspannte und regelrecht gediegene Vegetationsperiode lässt den Riesling hier zur Hochform auflaufen. Er stellt, wie nicht allzu selten in Deutschland der Fall, die meist angebaute Rebsorte dar. Viele wurzelechte Reben stehen auf den steilen, terrassierten Weinbergen, welche sich in eine atemberaubende Kulisse über den Ortschaften und Städten der Bergstraße einreihen. Die vergleichsweise kleine Rebfläche wird von einer unglaublich großen Anzahl von Winzern bewirtschaftet. Daraus lässt sich nur eines schließen: An der Hessischen Bergstraße macht der Weinbau einfach Spaß!

(Susanne Winterling, Pfälzische Weinkönigin 2006/2007 und Deutsche Weinprinzessin 2007/2008 aus: Königliches Wein-Lexikon, höma-Verlag, 2008)

 

Im Weinhof Rudolstadt finden Sie nur eine kleine Auswahl an Qualitätsweingütern und -weinen. Jede Weinanbauregion hat seine Eigenheiten und seine ganz besonderen Reize.

Momentan finden Sie Angebote aus den Weinbaugebieten Pfalz, Baden und Franken.